Strahlungsleistung von Infrarotheizplatten

Leider werden von den diversen Herstellern keine Angaben zur Strahlungsleistung bzw. zum Strahlungs-Anteil ihrer Infrarotheizungen gemacht. Es ist ja so, dass jede Heizung, egal ob Konvektionsheizungen oder Wärmestrahlungs-bzw. Infrarotheizungen ihre Wärme in Form von Wärmestrahlung bzw. Infrarotstrahlung und Konvektionswärme abgeben.
Laut Definition darf man dann von einer Infrarotheizung sprechen, wenn der Anteil an Infrarotstrahlung größer 50% ist.

Laut den Strahlungsgesetzen/Formeln von Dr. Ing.Meyer ist die Strahlungsleistung einer Infrarotheizung abhängig
von den folgenden Faktoren:
-Emissionsgrad der Strahlfläche (Naturstein, Glas, Lacke etc.)
-Strahlungszahl der Strahlfläche
-durchschnittliche Oberflächentemperatur der Strahlfläche
-Größe der Strahlfläche in m²

Emissionsgrad und Strahlungszahl sind Materialeigenschaften und werden für dieses Thema nicht betrachtet. Die Größe der Strahlflächen sind ja bezgl. der jeweiligen Infrarotheizung bekannt. Konzentrieren wir uns also auf die durchschnittliche Oberflächentemperatur als das entscheidende Merkmal.

Die Wärmeverteilung sowie die durchschnittliche Oberflächentemperatur sind natürlich abhängig von dem verwendeten Heizelement, das z.B. den Naturstein, das Glas oder eine andere Strahlfläche/Material erwärmt. Nur leider kann man das eingesetzte Heizelement nicht sehen und von vorne betrachtet, sehen z:b: Natursteinheizplatten oder Glasheizungen der unterschiedlichen Hersteller nahezu identisch aus.


Gute homogene Wärmeverteilung / schlechte Wärmeverteilung

Eine wichtige Information hierzu:
Das Speichervermögen einer Strahlplatte ist bzgl. der Wärmestrahlung überhaupt nicht entscheidend. Also die Tatsache, dass eine 3cm-dicke Natursteinplatte für mehrere Stunden Wärme speichern und wieder abgeben kann, ist für die Leistung einer Infrarotheizplatte nicht entscheidend bzw. unerheblich.

Kennt man also die durchschnittliche Oberflächentemperatur einer Infrarotheizung (gemessen
mit einer Wärmebildkamera) kann man mit Hilfe der Strahlungsformeln die Strahlungsleistung einer Infrarotheizplatte genau bestimmen.

Eigentlich könnten also die Hersteller von Infrarotheizungen mit Hilfe einer Wärmebildkamera die Strahlungsleistung bzw. die Anteile an Strahlungsleistung und Konvektionswärme bei den diversen Oberflächentemperaturen problemlos messen und offiziell veröffentlichen. Zusätzlich wären noch
Angaben bzgl. Aufheiz- und Abkühlzeiten von Infrarotheizungen sehr nützlich und sinnvoll.

Hier ein Beispiel, wie eine Kennzeichnung aussehen könnte:

Durchschnittliche Oberflächentemperatur

Strahlungsleistung
Watt

Aufheizzeit Minuten

30°C

…….Watt

20 min

50°C

…….Watt

45 min

70°C

…….Watt

70 min

90°C

…….Watt

95 min


Anteil Wärmestrahlungsleistung:
82% (bei 90°C)

Anteil Konvektionswärme: 18%
Höchste durchschnittliche Oberflächentemperatur: 95°C nach 109 Minuten
Effizienzfaktor (Gesamte abgegebene Wärmeleistung/Nennleistung): 1,15

Es wäre also für die Hersteller sehr einfach, solche Daten zu messen bzw. messen zu lassen und diese zu veröffentlichen. Aber leider gibt es hierfür keinen Zwang seitens des Gesetzgebers. Und so bleibt es wie es ist. Herstellen sagen und schreiben was sie wollen und der Kunde kann es glauben oder nicht.

Meine Eigenstudie, nebenbei bemerkt:
Ich habe selbst für meine eigenen Zwecke diverse Infrarotheizungen gemessen und berechnet.
Und zwar habe ich Natursteinheizungen, Glas-und Spiegelheizungen sowie Leichtbauheizungen von unterschiedlichen Herstellern gemessen und berechnet. Das war zwar sehr aufwändig aber ich dadurch sämtliche Schwächen und Stärken der von mir getesteten Infrarotheizungen.
Dadurch konnte ich mich auf Hersteller konzentrieren, die mich in meinen Tests überzeugt haben und bei denen auch das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt. Natürlich müssen auch die Verarbeitungsqualität sowie die Geschäftsbedingungen beachtet werden. Hierzu später mehr.

So weit so gut. Wie nicht anders zu erwarten, ist die Berechnung der Strahlungsanteile von
Infrarotheizungen trotzdem nicht so einfach, weil es auch hier unterschiedliche Ansichten von Wissenschaftlern gibt. Die einen sagen so, die anderen sagen so.

Der eine sagt, dass man die Strahlungsleistung von Infrarotheizungen bezogen auf ein Zimmer
wie eine Hohlraumstrahlung ansehen und berechnen muß. In einem Hohlraum kann keine Strahlung
entweichen, weil diese von allen Seiten immer wieder reflektiert wird. Andere Wissenschaftler ignorieren dieses und betrachten dieses wie Sonnenstrahlung im Freien, also ohne raum-umschließende Flächen und damit ohne Reflexion. Der Unterschied in beiden Betrachtungen liegt darin, dass bei einer Hohlraumstrahlung die doppelte Strahlungsleistung im Vergleich zur anderen Betrachtungsweise berechnet wird. Und das ist doch ein himmelgroßer Unterschied.

Wenn sich nicht einmal die Wissenschaft in dieser Frage einige ist, wie sollen wir Berater wissen,
was richtig ist bzw. mit welchen Formeln wir z.B. Heizlasten berechnen sollen?

Aber damit noch nicht genug. Es wird noch viel verwirrender, wie man gleich sieht:
Eine Infrarotheizplatte hat ja in der Regel zwei Seiten die Wärme abgeben können, nämlich
die vordere Seite und die Rückseite. Hierzu ergeben sich zwei weitere Fragen:
1.Um die gesamte abgegebene Wärmeleistung einer Infrarotheizplatte zu berechnen, müßten
   logischerweise die Vorderseite und Rückseite betrachtet werden.
2.Welche Vorteile oder Nachteile hätte eine rückseitige Wärmedämmung einer Infrarotheizplatte?
  (Eine 100%ige rückseitige Wärmedämmung ist nicht möglich, da man ja höchsten mit 1 oder 2cm
   Wärmedämmung rechnen kann.)

Ich habe in meiner Eigenstudie z.B. Glasheizungen getestet, die auf der Rückseite wirklich gut und solche, die weniger gut wärmegedämmt sind. Einen meßbaren Unterschied bzgl. weniger Energieverbrauch oder höherer Oberflächentemperatur konnte ich jedoch nicht feststellen. Infrarotheizungen, die auf der Rückseite nicht wärmegedämmt sind, geben natürlich auf der Rückseite auch Wärme ab in Form von Infrarotstrahlung oder Konvektionswärme oder beides. Dadurch kann natürlich die Montagewand mehr oder weniger temperiert bzw. erwärmt werden, was bestimmte Vorteile haben kann.
Wenn es sich zum Beispiel um eine nicht wärmegedämmte Außenwand handelt, die viel Wärme
nach außen durch läßt, muß man sich als Berater die Gegebenheiten vor Ort ansehen und Messungen durchführen um eine Lösung zu finden. Aber das sagte ich ja schon.

Wie man anhand meiner diversen Ausführungen und Beispiele erkennen kann, sind hier noch sehr viele Fragen offen. Und es handelt sich bei diesen Fragen nicht nur um hochtechnische und komplizierte Fragen, sondern vielmehr auch um einfache Grundlagenfragen. Hier sind vor allem die Hersteller von Infrarotheizungen gefragt, die endlich Ihre Produkte so kennzeichnen sollen, dass man als Konsument, Verbraucher und Kunde zwischen den Produkten vergleichen kann. Allerdings habe ich die Befürchtung, dass leider ohne entsprechenden Druck des Gesetzgebers nichts passieren wird.

Umso wichtiger ist es für die Kunden, dass Sie sich von erfahrenen Beratern beraten lassen und nicht von Verkäufern, die heute Infrarotheizungen verkaufen und morgen Werbegeschenke oder sonst was.

 

Wir beraten Sie gerne.

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